Aktuelles

Keine News in dieser Ansicht.

Golf Nachrichten

 

Put-Trainer

Senioren im Golfsport

Ein Interview von Esther Thomae, Herausgeberin des FAIR-WAY Magazins, mit Dr. Holger Herwegen, UNI Paderborn.

Dem Golfsport sind keine (Alters-)Grenzen gesetzt

50 % aller Golfer in der BRD sind „Senioren“
Über 50 % aller Golfer im DGV gehören der Altersgruppe 50 +  an!
Wir fragten  Dr. med. Holger Herwegen*
zum Thema Gesundheit bei Senioren im Golfsport  
*Chirurgie, Sportmedizin, Chirotherapie, Sportwissenschaft
Universität Paderborn, Department Sport & Gesundheit
Institut für Sportmedizin und Golfakademie, Paderborn

Das Interview

Esther Thomae: Worauf sollten Senioren beim Golfsport besonders achten?

Dr. Holger Herwegen: Auf einen regelmäßigen sportmedizinischen Check, insbesondere als Anfänger. Ganz wichtig dabei ist der Kontakt mit gesundheitsaffinem Trainer. Hier gibt es zunehmend gute Weiterbildungen, z.B. über den Deutschen Golfverband (DGV).

Wir erarbeiten z. Zt. ein Netzwerk mit Ärzten, Physiotherapeuten, Sportpsychologen, Diplomtrainern und Golflehrern.

ET: Gibt es so etwas wie  Überbelastung  für das Herz-Kreislaufsystem?

HH: Durchaus, aber eher in Wettkampfsituationen. Einerseits der psychische Distress, z.B. das Überwinden eines Wasserhindernis  und andererseits der körperliche Distress, z.B. dass Ziehen des Trolley über „Berg und Tal“.

Bei zunehmendem Risikoprofil (z. B. Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie, Adipositas, etc.) gilt es hier insbesondere, den Golfssport derart zu modifizieren, dass das „Körpertraining“ hier Einzug findet. Z. B. nicht nur das klassische Rangetraining, sondern Intervall-Ausdauertraining durch modifiziertes Speedgolf nach individuellem vorherigen Belastungscheck auf der Golfanlage.  
 
ET: Ist die Stärkung der Muskulatur, also hauptsächlich Rückengymnastik besonders wichtig?

HH: Die Wertigkeit eines Muskelfunktionstrainings,  insbesondere die Stabilisation der Rumpfmuskulatur, ist nicht zu unterschätzen und betrifft alle Golfer vor dem Hintergrund des Altersdurchschnitts (50 Jahre!) und damit verbundenen körperlichen Defiziten.

Seit Anfang 2007 haben wir hier in Paderborn zunehmend Präventionskurse auf der Basis des §20 des Präventionsgesetzes (bis zu 80% Zuschuss der Krankenkasse) angeboten, mit sehr positiver Resonanz!

ET: Je älter desto wichtiger: Sind Aufwärm- und Dehnübungen von besonderer Bedeutung?

HH: Ja, ja und nochmals ja. Aber nicht zur Verletzungsprophylaxe, sondern einzig zur „Aktivierung“ insbesondere der zentralnervösen Strukturen. Hier gibt es reichliche Untersuchungen, alle durchaus mit positiven physiologischen Effekten. Allerdings viel zu selten praktiziert. Wir sind dabei, ein Aktivierungsprogramm für Senioren zu entwickeln, damit auch der Abschlag am Tee 1 klappt.

ET: Gibt es Ausnahmen, wo aus ärztlicher Sicht vom Golfspiel abgeraten wird?

HH: Gibt es auch, aber wir geben sehr, sehr selten rotes Licht für den Golfsport, denn dieser bietet über seine Vielfalt an Modifikationsmöglichkeiten (Dosierung über Intensität, Umfang, Pausenzeiten, etc.) im Prinzip kaum eine Kontraindikation.  

ET: Schlaganfall und Herzinfarkt führen zu lebensverändernden Situationen.  Die Betroffenen müssen sich neu orientieren.  Golf kann da sehr hilfreich sein – das Leben geht weiter. Welche Erfahrungen haben Sie da?

HH: Wir begleiten derzeit 2 Studien mit dem GC in Köln und seit 1 Jahr ein  begleitendes Projekt in der Frührehabilitation der Neurologie in Bad Wünnenberg.

Winfried Reiters, 43-Jähriger kaufmännische Angestellte steht nach einem Hirninfarkt wieder auf dem Golfplatz:

Auf dem Gut Clarenhof im Westen von Köln nimmt er am Schnupperkurs des Pilotprojekts Golf teil. Für ihn ist Golf spielen ein Schritt zurück in die Normalität. "Der Sport ist super, um Gleichgewicht, Konzentration und Koordination zu üben. Und er hilft mir, den Schlaganfall und seine Folgen mental zu verarbeiten."