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10 Jahre 18-Loch-Golfanlage am Möhnesee

Thomas Düllberg.
Thomas Düllberg, Architekt des 18-Loch Meisterplatzes vom Golfclub Möhnesee. Quelle: Esther Thomae.

Ein Interview von Esther Thomae, Herausgeberin des FAIR-WAY Magazins, mit Thomas Düllberg.

Der Anlass

Am 5. Juli 1997 wurde im GC Möhnesee offiziell der 18-Loch Golfplatz eröffnet. Die zweiten neun Löcher waren fertig gestellt, das Ziel erreicht. Endlich ein 18-Loch Golfplatz!

Der Soester Landschaftsarchitekt Thomas Düllberg, war damals als Mitarbeiter des Architekturbüros Spangemacher an der Planung des 18-Loch-Golfplatzes maßgeblich beteiligt. Wir fragten mal nach…

Das Interview

Esther Thomae: Herr Düllberg, lange ist es her, dass Sie mit der Planung des Golfplatzes am Möhnesee begonnen haben? Wissen Sie noch, wann das war und wie lange es gedauert hat, bis die ersten Arbeiten auf dem Gelände begonnen haben?

Thomas Düllberg: Meine erste Begegnung mit dem Projekt „Golfplatz Möhnesee“ war 1990. Ich habe als Diplomarbeit eine Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) zu dem Vorhaben Golfplatz am Köbbinghof erstellt. Meine Diplomarbeit hat dazu beigetragen von der Bezirksregierung die Zustimmung zum Golfplatzvorhaben zu erhalten. Nach Zusage durch die Bezirksregierung 1991 hat das Büro Spangemacher aus Oelde mit der Planung begonnen. 1992 wurde die Driving Range und die provisorische 9-Loch-Anlage auf dem Ost Course eingesät.
Das Genehmigungsverfahren war trotz zahlreicher Widerstände seitens der Orts-SPD, der ABU und anderen Umweltverbänden 1994 abgeschlossen, so dass im selben Jahr mit dem Bau des West Courses gestartet werden konnte. Der Bau des Ost Courses startete dann 1996.

Bildcollage vom Golfclub Möhnesee
Bildcollage vom Golfclub Möhnesee. Quelle: Esther Thomae.

ET: Einiges hat sich im Verlauf der Jahre am Ursprung des Platzes verändert. Bunker wurden stillgelegt, neue Bunker angelegt. In 2007 wurde ein Teich zwischen Loch 9 und 18 fertig gestellt, der nicht unerheblich ins Spiel kommt. Gefällt Ihnen „Ihr“ Platz denn jetzt, 10 Jahre später und wie beurteilen Sie die Veränderungen?

TD: Im Großen und Ganzen gefällt mir der Platz, mit einigen Einschränkungen, sehr  gut. Allerdings leidet die Qualität des Platzes aufgrund des knappen Budgets beim Bau des Ost Courses; z.B. konnten am Fairway 13 (ehemaliges Fairway 3) die geplanten Modellierungen nicht durchgeführt werden, was zu einem teilweise „blinden“ Loch mit unfairen Schräglagen geführt hat. Außerdem sind die Greens dort 10 % kleiner und es wurden nur sehr wenige Bunker gebaut. Zu den Veränderungen, die im Laufe der letzten Jahre vorgenommen wurden, ist zu sagen, dass einige positive und sehr viele negative Veränderungen des Layouts durchgeführt wurden. Beispielsweise entspricht der Fairwaybunker vor Green 10 in keiner Weise der Planungsphilosophie des Büros Spangemacher. Der Bunker liegt mitten im Anspielbereich uns ist somit unfair; er verzögert das Spiel und di Bauform ist nicht sehr ästhetisch.

Auch den Tausch der Spielbahnnummerierung sehe ich eher kritisch für den Spielverlauf: Große Entfernung vom Puttinggreen und von der Drivingrange  zu Tee 1; Bahn 2 als Par 3 führt unweigerlich zu Spielverzögerungen; Die letzte Spielbahn sollte ein Par 4 oder Par 5 sein, die bei riskantem Spiel ein Birdie ermöglicht.

Positiv ist, dass der Teich am Green 18, der in der ursprünglichen Planung schon immer enthalten war, aber aus Kostengründen nicht gebaut wurde, endlich realisiert wurde.

ET: Jeder Golfplatz ist ein kleines Schmuckstück, mehr oder weniger – der Platz am Möhnesee ist landschaftlich einer der schönsten in der Region, und bei den Mitgliedern und bei den Gästen überaus beliebt. Macht Sie das ein bisschen stolz?

TD: Auf eine gelungene Arbeit kann man sicher stolz sein, aber um 10 Jahre nach dem Bau  einen erfolgreichen Golfplatz zu betreiben reicht ein guter Entwurf nicht aus; ebenso wichtig sind eine gute Bauausführung, ein funktionierendes Management und nicht zuletzt ein gutes Greenkeeping.

ET: Nicht jedes Areal lässt so viel Abwechselung zu und 100 ha sind da wohl eine optimale Größe – oder welche Erfahrung haben Sie da?

TD: Landschaftlich bietet nicht jedes Areal diese guten Voraussetzungen. Von der Größe her reicht für eine gut funktionierende 18-Loch-Anlage eine Fläche von 70-75 ha aus, aber aus genehmigungstechnischen Gründen mussten  damals mehr als 95 ha überplant werden. Von der Gesamtgröße liegen jedoch ca. 15 ha, als so genannte Ausgleichsflächen, außerhalb des eigentlichen Golfgeländes.

ET: Werden wir in Westfalen in den nächsten Jahren noch viele neue Golfplätze bekommen?

TD: Aufgrund der Vielzahl an Golfplätzen, die in den 90-er-Jahren gebaut wurden, hat der Golfplatzbau in Deutschland zurzeit stark nachgelassen. Insbesondere in Westfalen gibt es eine sehr hohe Golfplatzdichte und immer noch Clubs, die aufgrund ihrer niedrigen Mitgliederzahl wirtschaftliche Schwierigkeiten haben. In den nächsten 5-10 Jahren werden hier voraussichtlich keine neuen Plätze mehr entstehen. Eventuell kann es noch Erweiterungen von 9-Loch-Anlagen geben.

ET: Wie viele Golfplätze haben Sie mittlerweile geplant, die dann gebaut wurden?

TD: Ich war an der Planung und am Bau von ca. zwanzig Golfanlagen beteiligt.

ET: Alle in Deutschland? Oder waren  bzw. sind Sie international aktiv?

TD: Aufgrund der schlechten Situation in Deutschland bin ich mittlerweile auch im Ausland tätig. So habe ich z.B. 3 Anlagen in Portugal geplant, die aber aufgrund der fehlenden Finanzierung noch nicht gebaut wurden. Zurzeit bin ich als Supervisor auf einer Golfplatzbaustelle in der Nähe von Prag tätig. Dort leite ich ein internationales Team, dass eine 18-Loch-Anlage eines kanadischen Designers baut.

ET: Welche davon sind Ihre drei Favoriten?

TD: Von den Plätzen, bei denen ich in der Bauleitung oder Genehmigungsplanung tätig war, sind der Golfplatz „Donau-Riss“ (geplant von Robert Trent Jones II), der im Juli eröffnet wurde und der Golfplatz Hammetweil, in der Nähe von Reutlingen, meine Favoriten. Von den Plätzen, bei denen ich an der Planung beteiligt war, bevorzuge ich den Golfplatz Siegerland (in Kreuztal), den Golf- und Landclub Coesfeld und selbstverständlich den Golflatz Möhnesee.

ET: Die werde ich dann sicher mal spielen. Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Spaß bei dieser großartigen Aufgabe, uns das Leben im Golfsport so attraktiv und abwechselungsreich zu gestalten.